Warum es oft nicht der Bauch ist – sondern die vielen Eindrücke des Tages.
Der Abend kommt – und mit ihm die Tränen
Fast jede Familie kennt es: Das Baby weint, scheinbar ohne Grund.
Besonders abends, wenn der Tag eigentlich ausklingen sollte, beginnt für viele Eltern die schwierigste Zeit des Tages.
Stundenlanges Weinen, das einfach kein Ende nehmen will – und das Gefühl, nichts hilft.
Schnell denkt man:
„Mein Baby hat bestimmt Bauchweh oder Koliken.“
Ja, das kann vorkommen – die Verdauung ist in den ersten Wochen noch unreif.
Aber häufig steckt etwas anderes dahinter: Übermüdung und Überreizung.
Denn die Welt ist neu, laut, hell und voller Eindrücke. Und all das muss dein Baby erst einmal verarbeiten.
Das viele Weinen führt dann dazu, dass zusätzlich Luft in den Bauch gelangt – was im Nachhinein tatsächlich Bauchweh verursachen kann. Ein kleiner Kreislauf, der für Eltern unglaublich fordernd ist.
1. Die Verdauung deines Babys ist noch im Aufbau
Die Verdauung eines Neugeborenen funktioniert noch nicht so regelmäßig wie bei älteren Kindern.
Blähungen, unregelmäßiger Stuhlgang oder kleine Bauchschmerzen sind in den ersten Wochen völlig normal.
💛 Grow with me Tipp:
Sanfte Bauchmassagen, das Tragen in einem Tuch oder kurze Phasen in Bauchlage (unter Aufsicht) helfen, die Verdauung zu unterstützen – und schenken Nähe, die gleichzeitig beruhigt.
2. Warum Bauchweh oft gar nicht die Hauptursache ist
Wenn dein Baby weint, fühlt sich jede Minute endlos an.
Du versuchst alles – eine frische Windel, Stillen, Tragen, Schunkeln – und nichts scheint zu helfen.
Doch die Wahrheit ist:
Viele Babys weinen nicht, weil sie Schmerzen haben, sondern weil ihr Nervensystem noch nicht so weit ist, die vielen Reize zu verarbeiten.
Licht, Stimmen, Bewegungen, Berührungen – alles trifft gleichzeitig auf dein Baby ein.
Es kann noch nicht unterscheiden zwischen „das bin ich“ und „das ist die Außenwelt“.
Das, was uns Erwachsenen selbstverständlich vorkommt – Reize zu filtern, Gedanken zu sortieren, Gefühle einzuordnen – entwickelt sich erst mit der Zeit.
🧸 Deshalb brauchen Babys dich.
Sie brauchen deine Nähe, deinen Herzschlag, deine Stimme.
Sie regulieren sich über dich – das nennt man Co-Regulation.
Erst mit deiner Beruhigung lernt ihr kleines System, sich selbst zu beruhigen.
💡 Merksatz:
Überreizung + Übermüdung = häufigste Ursache für abendliches Weinen
💛 Grow with me Tipp: Überreizung & Übermüdung vorbeugen
- Reize reduzieren: gedämpftes Licht, ruhige Stimmen, weniger Besuch
- Wachphasen altersgerecht halten (Neugeborene oft nur 45–60 Minuten)
- Müdigkeitssignale früh erkennen: Gähnen, starrer Blick, Augenreiben
- Sanfte Routinen schaffen – Babys lieben Wiederholungen
- Nicht zu viele Programmpunkte – weniger ist mehr
- Einen kurzen Vorabendschlaf zwischen 17:00 und 18:00 Uhr einplanen
🩵 Vorabendschlaf – kleiner, aber wichtiger Helfer:
Ein kurzes Nickerchen am späten Nachmittag hilft, dass dein Baby ausgeruht in die Nacht startet.
Das gelingt oft gut beim Kuscheln, in der Trage oder im Kinderwagen.
Danach darf dein Baby nochmal wach sein, bevor ihr in eine ruhige Abendroutine übergeht – z. B. mit einem Bad, sanftem Licht und einem vertrauten Lied.
3. Wenn Babys übermüdet sind – was Cortisol damit zu tun hat
Cortisol ist ein Stresshormon. Es hilft uns, wach und handlungsfähig zu bleiben – aber zu viel davon hält Babys (und Eltern) vom Schlafen ab.
So läuft der Kreislauf ab:
- Baby ist müde, zeigt erste Zeichen.
- Es wird zu spät hingelegt → Cortisol steigt.
- Baby wirkt plötzlich wieder wach oder aktiv – Eltern denken, es ist noch nicht müde.
- Das Einschlafen wird schwieriger – der Stress wächst.
Das Problem: Cortisol bleibt oft stundenlang im Körper. Deshalb schlafen übermüdete Babys schwer ein oder wachen nach kurzer Zeit wieder auf.
🤍 Was du tun kannst, wenn dein Baby viel weint
1. Nähe & Körperkontakt
Halte dein Baby, trage es, kuschle es. Körperkontakt ist das stärkste Beruhigungssignal – für euch beide.
2. Ruhige, vertraute Reize
Leises Summen, sanftes Wiegen, vertraute Stimmen.
Je weniger Ablenkung, desto mehr Sicherheit.
3. Pucken – Geborgenheit wie im Mutterleib
Ein sicherer Pucksack (z. B. CosyMe) kann helfen, das Nervensystem herunterzufahren.
Das enge Gefühl erinnert dein Baby an den Mutterleib, sorgt für Halt und reduziert unkontrollierte Bewegungen.
⚠️ Nur bis etwa 3 Monate und immer sicher in Rückenlage anwenden.
4. Saugen – kleine Beruhigungshilfe
Saugen (an Brust, Finger oder Schnuller) aktiviert Nerven, die den Körper beruhigen.
Es hilft beim Stressabbau – aber Nähe ersetzt es nicht.
5. Bleib ruhig – auch wenn es schwerfällt
Dein Baby spürt, wie es dir geht.
Wenn du ruhig atmest und dich entspannst, kann auch dein Baby runterfahren.
Und wenn du merkst, es geht nicht mehr – gib kurz ab. Auch Papas Nähe wirkt Wunder.
6. Beobachte, was wirklich hilft
Probiere nicht zu viel auf einmal.
Manchmal ist weniger „Tun“ mehr „Da sein“.
4. Wann Bauchweh tatsächlich eine Rolle spielt
Natürlich gibt es Babys, die wirklich Verdauungsprobleme haben:
- Regelmäßige, starke Koliken
- Blut im Stuhl oder Erbrechen
- Plötzliche Unruhe nach dem Essen
Wenn du unsicher bist, sprich mit deiner Hebamme oder Kinderärztin – das schafft Sicherheit.
Schreiphasen sind keine Fehlleistung
Wenn dein Baby viel weint, heißt das nicht, dass du etwas falsch machst.
In den ersten Monaten ist Weinen oft die einzige Sprache, die Babys haben – und gleichzeitig der Weg, sich von all den neuen Eindrücken zu entlasten.
Mit Ruhe, Nähe und wiederkehrenden Abläufen hilfst du deinem Baby, sich sicher zu fühlen.
Und irgendwann – oft ganz plötzlich – wird es leichter.
💛 Grow with me Tipp zum Schluss:
Vertrau darauf, dass ihr gemeinsam euren Rhythmus findet.
Du musst nichts perfekt machen – du darfst einfach da sein.
